Ich gebe zu, es war eine echte Sauerei!
Letzte Woche habe ich endlich dieses riesige schwergewichtige Vieh von einer Wollmilchsau erlegt, geschlachtet und seziert. So gut habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt, denn das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ob es ein Festessen wird? Na ja … das muss sich wohl erst noch beweisen.
Als Unternehmer übt man gerade am Anfang zumeist mehrere Berufe gleichzeitig aus. Man ist der Jäger, der das Vieh anvisiert und schießt, der Fleischer, der es anschließend zerlegt, der Koch, der es brät und würzt und schließlich der nette Wirt, der seine Gäste mit einem großzügigen Lächeln bedient. Der Weg ist dabei sehr lang und nicht immer nur angenehm. Bevor das leckere Gericht mit knusprig gebackener Schwarte und unwiderstehlichen Duft dem Gast serviert werden kann, muss erst noch das zähe Fleisch vom Rest getrennt, das Blut gerührt, die Därme abgeschleimt und der Kopf zerlegt werden. Wie sooft im Leben heißt es auch hier: erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
Hauptsache, Du hast ein gutes Messer!
Woran erkennst du aber, dass du eine Eierlegende Wollmilchsau geschossen hast? Das gute alte Wikipedia sagt dazu:
„Die eierlegende Wollmilchsau (auch Eier legende Wollmilchsau) ist ein umgangssprachlicher Begriff, der auf Sachen und Sachverhalte Anwendung findet, denen besonders vielfältige Fähigkeiten zugeschrieben werden.“
Es ist also ein solches Ding, das alles kann. Ein Gerät, ein Produkt, ein Lebewesen, eine Software?
Wer solch ein Tier erlegt, kann sich glücklich schätzen. Jeder seiner Kunden wird sich darum reißen müssen, denn es hat von allem nur das Beste. Es schmeckt jedem so, wie es ihm gefällt. Dem einem nach Rind, dem anderen nach Huhn und den Exotenliebhaber nach Känguru oder Krokodil. Denkste! Denn wer als Koch solch ein Tier zubereiten soll, wird arge Schwierigkeiten haben, es entsprechend zu verarbeiten. Soll es lieber gekocht oder gebraten werden? Soll es mit Thymian oder besser mit Ingwer gewürzt werden? Soll es lange oder nur kurz im Ofen gebraten werden?
Fragen über Fragen, die beantwortet werden sollten. Denn nicht nur der Kunde wird sich wundern, was er mit einem Gericht anfangen soll, das irgendwie nach allem schmeckt, sondern auch der Koch! Beide werden sich daran verschlucken!
Ganz sicher kann man sich sein, ein solches Tier erlegt zu haben, wenn das eigene Produkt
- grundsätzlich jede Zielgruppe anspricht
- von jeden Kunde gekauft werden wird
- und einfach allen Leuten gefällt.
Machen wir uns nichts vor, solch ein Produkt gibt es nicht! Die Wahrscheinlichkeit der Erste zu sein, der es erfindet, ist daher geschwindend gering. Sichere Indizien, dass man es dennoch versucht, erkennt man
- wenn man viel darüber reden kann, ohne etwas wirklich konkretes auszusagen
- und alle Gesprächspartner nach dem Gespräch genauso schlau sind wie zuvor.
Da hilft nur eins! Die besten Stücke heraustrennen und den Rest besser anderen überlassen.
Grobe Anleitungen wie man am besten seine Jagdtrophäe zerlegt kann, findet man im Internet viele. Da fallen Phrasen wie:
- Wie lautet Ihre Geschäftsidee?
- Was ist das Besondere an Ihrer Geschäftsidee?
- Was ist das Besondere an Ihrem Produkt/Ihrer Dienstleistung?
- Gibt es dafür einen Markt oder Bedarf?
- Welche Nutzen hat Ihr Angebot für Ihre Kunden?
- …
Sie geben uns allesamt gute Hinweise: Wir sollen das schlechte vom guten Fleisch unterscheiden lernen – erkennen, was einmal der Braten und was eher die Sülze sein wird. Leider sind diese Hilfestellungen aber doch sehr schwammig.
Wie messe ich den Bedarf, wie das Bedürfnis? Woher weiß ich, ob ein Produkt interessant ist oder nicht? Wie trenne ich das gute vom zähen Fleisch?
Der Schlüssel zum Erfolg klingt nach langen überlegen so merkwürdig einfach. Das beste Produkt ist jenes, dass dem Kunden einen echten transparenten und messbaren Nutzen bietet! Wer das gute Fleisch heraustrennen will, muss in Zahlen denken. Genauso wie es später einmal der Kunde tun wird.
Der beste Braten ist der, dem sich der Kunde nicht entziehen kann, weil sein Duft noch mehr Hunger auf das macht, was ihm am wichtigsten ist: transparenter messbarer Erfolg in Form von mehr Geld, Zeit oder Anerkennung.
Nur wer so denkt wie sein Kunde, wird einen echten Festschmaus zubereiten können, dem der Gast immer wieder gerne weiterempfehlen wird.
Wie steht ihr zu der Sache? Mich interessiertauch eure Meinung.
Habt ihr noch weitere leckere Erfolgsrezepte, die dem Kunden oder Koch zufrieden stellen werden?








